Über Zertifizierungspflichten für LoRa - Funkprodukte in D....

Gerhard Peter

Initiator of TTN Berlin and Community Happyness Manager

Posted on 19-04-2018

Diese Woche hielt die BEUTH Hochschule in Berlin einen interessanten LoRa - workshop ab.

Nebst Basteleien an SoC's und dem AHA - Gruppenerlebnis für gelungene LoRa - connects, war ein Referat dort besonders spannend, über ein selten gehörtes Thema. Der Zertifizierungspflicht für Funkgeräte und Geräte für den "In-Verkehr-Bringer" in Deutschland. Dabei handelt es sich um eine derart hochkomplizierte Materie, dass ein ganzer Industriezweig davon ganz gut leben kann. So ab 8 KiloEURO ist man dabei. Med. Geräte so ab 40 Kilo. Ja, man sprach in der Tat von Kilo...

Grundsätzlich benötigt jedes Gerät, welches in den Verkehr gelangt, ein sog. CE - Zeichen. Mit einem solchen "Bapperl" allein ist es allerdings nicht getan. Dazu gehört stets eine sog. Konformitätserklärung , also eine Art Akkreditierungsdokument, aus dem klar hervorgeht, dass während des Betriebs die einschlägigen Rechtsnormen stets und immer eingehalten werden. Um dies nachzuweisen, gehört noch ein Ordner mit Dokumenten dazu, wo drin steht wer geprüft hat, wie geprüft wurde, wann geprüft wurde, etc.. - Diese Nachweise sind in D nur auf Anforderung der für Funkanlagen zuständigen Überwachungsbehörde, also der Bundesnetzagentur (BNA), vorzulegen. Sie verfallen übrigens nach bestimmten Fristen. dann freuen sich wieder die Prüfer.

Die wichtigste Erkenntnis war diejenige, dass wir in D eine sehr, sehr liberale Handhabung haben und eine behördliche Tiefenprüfung nur dann einsetzt, wenn beispielsweise ein "netter" Mitbewerber oder sonstwie ein Dritter bei der Behörde anklopft. Dann allerdings muss man seine Karten vollständig offen legen und sich in jene schauen lassen. Für diesen Fall ist man dann auf der sicheren Seite, wenn alle Dokumente sauber sind. Ansonsten gibt's eben Ärger.

Wichtig zu erfahren war auch, daß der Einbau bereits zertifizierter Module in ein neu entwickeltes Gerät nicht eine Zertifizierung des neu entwickelten Geräts ersetzen kann. Eine Prüfung ist stets neu erforderlich. Die Prüfung wird ggf. nur vereinfacht und wird dadurch eben (etwas) billiger. Hat der China - Händler des Vertrauens solche Dokumente für seine Produkte verfügbar? Vielleicht einfach mal nachfragen. Auf die Antwort dürfte man sehr lange warten.

Beispiel:
Ein aufgedrucktes FCC Logo der US Prüf-Behörde auf dem Funkmodul sieht ja optisch ganz nett aus, bedeutet aber gar nix, wenn nicht unmittelbar eine durch Bindestrich getrennte Prüfungsnummer folgt.... wie zB: 2AC7Z-ESPWROOM32 . Damit lässt sich dann suchen in : https://fccid.io/ . Das Suchergebnis zeigt, dass diese ID amtlich existiert, mit vielen weiteren detaillierten Daten der US - Prüfungsbehörde.

Und wie sieht es umgekehrt aus, wenn wir deutsche Produkte in China zulassen wollen?
Auch hier gab es Antworten, die zum Nachdenken anregen.
Die chinesischen Behörden fordern u.a. eine Begehung des Betriebs und die Angabe der verwendeten Produktionsmaschinen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Es ist sicher auch nur reiner Zufall, dass die chinesischen Prüfzeichen so aussehen, wie sie eben aussehen. Einfach mal das Logo auf dem Bild links ansehen... Tssssssssssssssssssss........ So ungleich sind eben die Verhältnisse im internationalen Vergleich.
Ob ich demnächst mal den Griechen meines Vertrauens bitte, mir vorab einen Blick in seine Küche zu gestatten, bevor ich meine Order abgebe?

PS.
Auch das wilde LoRa funken bei Basteltreffen ohne Einhaltung der "duty cylces" ist im Übrigen "ahndungsfähig"... und die Antennen moderner BNA - Messfahrzeuge seien nicht zwingend von aussen sichtbar, wie man munkelte.

[update von k.w.]: Man muss CE Zertifizierungen nicht teuer in DE machen lassen. Jeder 'notified body' in der EU gilt. Also auf nach Italien oder Griechenland!