Design System für IoT
Ein Design System für IoT ist kein Dribbble-Spielplatz. Es ist der Versuch, Ordnung in eine Welt zu bringen, in der Bildschirme winzig, Verbindungen wacklig und Nutzer*innen selten geduldig sind. Genau deshalb lohnt sich das Ganze.
1. Ausgangslage
IoT-Oberflächen leben überall und nirgends:
- winzige Displays an Geräten
- Mobile Apps
- Web-Dashboards
- gelegentlich ein Fernseher oder ein Embedded Browser aus der Steinzeit
Ohne Design System endet das zuverlässig in inkonsistenten Farben, kryptischen Icons und Texten, die niemand lesen kann, der nicht selbst am Code saß.
2. Ziele eines IoT-Design-Systems
Nicht Schönheit um ihrer selbst willen, sondern:
- Konsistenz über Geräteklassen hinweg
- Wiederverwendbarkeit statt Copy-Paste-Hölle
- Robustheit bei schlechter Konnektivität
- Verständlichkeit auch ohne Handbuch und Schulung
Oder anders gesagt: weniger Support-Tickets, weniger Fluchen.
3. Besondere Herausforderungen bei IoT
Hier wird es unangenehm, aber ehrlich:
- Unterschiedliche Displaygrößen von „passt auf eine Briefmarke“ bis „Tablet im Schaltschrank“
- Eingabemethoden: Touch, Tasten, Drehregler, gar nichts
- Zustände: offline, halb-offline, völlig beleidigt
- Langlebigkeit: Geräte bleiben Jahre im Feld, dein Design auch
Ein normales Web-Design-System lacht hier nervös und geht rückwärts wieder raus.
4. Bausteine des Design Systems
Visuelle Grundlagen
- Farben mit klarer Bedeutung (Status > Deko)
- Typografie mit Fokus auf Lesbarkeit, nicht Trend
- Kontraste, die auch bei Sonnenlicht noch existieren
Komponenten
- Statusanzeigen (ok, warn, kritisch, tot)
- Lade- und Verbindungszustände
- Formulare mit minimalem Frustfaktor
- Alerts, die ernst genommen werden
Patterns
- Geräteeinrichtung und Onboarding
- Fehler- und Recovery-Flows
- Update- und Wartungsszenarien
Content-Regeln
- kurze, eindeutige Texte
- keine Insider-Begriffe
- klare Handlungsaufforderungen
5. Technik trifft Design
Ein IoT-Design-System lebt nicht nur in Figma:
- Design Tokens als Brücke zu Code ️
- Versionierung, weil Geräte nicht „mal eben“ updaten
- Dokumentation für Menschen, nicht für Marketing
Wenn Dev und Design getrennte Realitäten pflegen, gewinnt niemand.
6. Ergebnis
Ein gutes IoT-Design-System:
- skaliert von heute auf morgen
- überlebt neue Gerätegenerationen
- macht Produkte wartbarer
- und respektiert die Zeit der Nutzer*innen
Nicht glamourös. Aber verdammt nützlich.